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Infrarot-Untersuchungen:

IR-Reflektographie (IRR)

Infrarot-Reflektographie
Malmaterialien haben für langwellige Infrarotstrahlen eine andere Durchlässigkeit als für Strahlung im sichtbaren Lichtspektrum (VIS). IR-Strahlen durchdringen dabei verschiedene Malschichten und werden auf der dichten, meist hellen Grundierung reflektiert. Die Unterzeichnungen des Künstlers auf der Grundierung werden sichtbar. Es können so zusätzliche Informationen zur Komposition, zur Konzeption und zum ausführenden Maler gewonnen werden.

Zur Untersuchung wird das Gemälde mit einer Infrarotquelle bestrahlt. Die reflektierten IR Strahlen werden mit einer infrarotfähigen Kamera detektiert, bei der mit einem Sperrfilter alle Welenlängen unterhalb des IR Spektrums ausgefiltert werden.

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IR-Reflektographie: Grete Hart (1885-1971), „Morgen im kroatischen Bergdorf“, 1910er Jahre (Sammlung Bottler + Pracher). IR oberhalb 950 nm. Konstruktionslinien werden sichtbar die zeigen, wie geometrisch und überlegt das expressionistische Gemälde geplant und aufgebaut wurde. Zudem werden Details, wie z.B. die Fenster der Kirche, erkennbar, die im fertigen Bild verworfen wurden. (Fotos und Gif Dr. Pracher)

 

IR-Durchlichtfotografie (IR Transmitted)

Mit Infrarot-Durchlichtfotografie können weitere Informationen über Maltechnik und Konzeptänderungen gewonnen werden. Zusätzlich können verdeckte Stempel und Beschriftungen, z.B. unter einer Doublierleinwand, sichtbar gemacht werden. Bildgebend sind hierbei nicht die reflektierten sondern die durch die Leinwand transmittierten Infrarotstrahlen. Das Objekt wird dafür zwischen Infrarotquelle und Kamera gesetzt.

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IR-Durchlichtfotografie: Unbekannter Maler um 1920, „Abendstern“, (Sammlung Bottler+Pracher). IR-Strahlen durchleuchten die Leinwand und geben Aufschluss über Maltechnik, Konzeptänderung und verdeckte Beschriftungen/Stempel. Bei beiden Ansichten  wurde die Beleuchtungssituation nicht verändert. Das IR-Bild entsteht lediglich durch den Einsatz verschiedener Sperrfilter. (Fotos und Gif Dr. Pracher)

 

 IR-Lumineszenz (IRL, VIL)

Mit IR-Lumineszenz, auch Visible Induced Infrared Luminescence VIL genannt, können Pigmente wie z.B. Cadmiumpigmente, Han-Violett (BaCuSi2O6), Han-Blau (BaCuSi4O10) oder auch Ägyptisch Blau (Cuprorivait, CaCuSi4O10) berührungsfrei am Kunstwerk nachgewiesen werden.

Beispiel: Im sichtbaren Licht emittiert Ägyptisch Blau Infrarotstrahlung. Mit einer dementsprechend modifizierten Kamera kann die Lumineszenz des antiken Pigments sichtbar gemacht werden.

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IRL (VIL) eines ägyptischen Skarabäus aus – oder glasiert mit – Ägyptisch Blau. Objekt aus dem Martin von Wagner Museum Würzburg, (Foto: Dr. Martin Pracher)

 

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IRL (VIL) einer Mumienmaske. Alle weiß lumineszierenden Bereiche sind in Ägyptisch Blau ausgeführt. Objekt aus dem Martin von Wagner Museum Würzburg, (Foto: Dr. Martin Pracher)